Bruch – Schnitt – Riss

Metaphernforschung hat Konjunktur. Ob religiöse Rede und künstlerische Praxis als wesentlich metaphorisch ausgewiesen werden, ob Metaphern in der Philosophie Kontingenz kompensierende Funktionen übernehmen oder sie jenseits der Klassifikation als Sprungtrope für Poetik und Literaturanalyse herangezogen werden – eine Steigerung der Hochschätzung lässt sich kaum imaginieren.

Der vorliegende Band widmet sich vor diesem Hintergrund einem spezifischen Metaphernfeld – der Trennungsmetaphorik – und beleuchtet es in exemplarischen Einzelstudien aus verschiedenen fachlichen Perspektiven. Kunsttheorie und Bildwissenschaft, Theologie und Philosophie, Literaturwissenschaft und Anthropologie sind an dem Erschließungsprozess gleichermaßen beteiligt und reflektieren auf diesem Wege die ihnen allesamt zu eigene vielfältige Inszenierung von Brüchen, Schnitten und Rissen.

Katharina Alsen, Nina Heinsohn (Hg.)
Bruch Schnitt Riss
Deutungspotenziale von Trennungsmetaphorik in den Wissenschaften und Künsten
Reihe: Hamburger geisteswissenschaftliche Studien zu Religion und Gesellschaft, Bd. 2
Berlin: LIT 2014

Inhalt

Deutungspotenziale von Trennungsmetaphorik. Interdisziplinäre Perspektiven
Katharina Alsen / Nina Heinsohn

Gebrochene Erfahrung
Bernhard Waldenfels

I. Reflexionen aus Metapherntheorie und Anthropologie

Zeitriss/Zwischenraum. Anthropologische Erkundunge zur Metapher des Risses
Michael Moxter

Überlegungen zur methodischen Funktion der Trennungsmetaphorik bei Aristoteles
Burkhard Meißner

Ästhetisierung der Endlichkeit. Theologische Überlegungen in Anknüpfung an den Fragmentbegriff bei Georg Simmel
Christopher Zarnow

Von Zwiespalt und Zerreißung. Trennungsmetaphorik in der Anthropologie Paul Tillichs
Nina Heinsohn

»Die Kluft scheint unüberbrückbar«. Religionsphilosophische Perspektiven auf das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit
Markus Firchow

II. Ästhetische Strategien und ihre bildtheoretische Bearbeitung

Im Anfang war der Riss… An den Bruchlinien des Ikonotops
Philipp Stoellger

Der Bruch zwischen Anschauung (theoria) und künstlerischem Handeln (praxis)
Eva Koethen

»Dass er eine Mauer mache und wider den Riss stehe«. Architektonische Konsequenzen pietistischer Heilsmetaphorik
Stefan Laube

Lucio Fontanas Concetto spaziale. Zu den Durchbrechungen der Leinwand als Begründung eines neuen Raumbegriffs in der Kunst
Ann-Cathrin Drews

Riss und Ebenbildlichkeit. Oder: Die Suche nach der verlorenen Ähnlichkeit bei Georges Didi-Huberman und im Hiob-Buch
Hannes Langbein

III. Poetiken, Visualisierungen und materiale Konkretionen

Versehrte Hüllen. Die Risse der Mode
Petra Leutner

Verbindung und Verletzung. Die Poetik der Wunde in Clemens Brentanos Godwi
Nicole A. Sütterlin

»Nach dem berüchtigen Jack der Aufschlitzer so benannt«. Die Gattung des Aufschlitzer-Mordes im Lustmord-Narrativ in Richard von Krafft-Ebings Psychopathia sexualis
Jill Bühler

Absenzen und biographische Risse als Spielräume der Erinnerung. Sophie Calles Die Entfernung
Sakine Weikert

Randgänge entlang des Risses. Doris Salcedos Installation Shibboleth
Holger Hartung

Nähe auf Distanz? Kuratierte Zeitgenossenschaft und Paradoxien der Historiographie von Gegenwartskunst
Katharina Alsen

IV. Epilog

Die Linie. Gedicht
Christophe Fricker

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