Sommerakademie

Nordische Malerei

Pluralität, Peripherien, postkoloniale Perspektiven

Sommerakademie Obertauern | Arbeitsgruppenleitung

Studienstiftung des deutschen Volkes

29. August bis 6. September 2026

Die Malerei der Nationalromantik aus Dänemark, Norwegen und Schweden zählt zu den bekanntesten kulturellen Exporten der nordischen Moderne. Sie gilt als Ausstellungsmagnet und wird im internationalen musealen Kontext als prägende Form moderner Kunst aus Nordeuropa inszeniert. Diese Sichtweise stützt sich jedoch oft auf verklärte Sehnsuchtstopoi und stereotype Vorstellungen von Natürlichkeit oder Authentizität – vergleichbar mit dem »Bullerbü-Syndrom«. Dadurch wird das kunstgeografische Konstrukt eines ›homogenen Nordens‹ gefestigt, alternative Perspektiven bleiben ausgeblendet.

Während die skandinavischen Länder traditionell den Kern vieler kunsthistorischer Narrative bilden, rücken in diesem Seminar auch oft marginalisierte Regionen des Nordens in den Fokus. Dazu zählen Island, Finnland, die Färöer, Grönland, Åland und die Siedlungsgebiete der indigenen Sámi. Ziel ist es, die Vielfalt nordischer Malerei im frühen 20. Jahrhundert sichtbar zu machen und ihre Einbettung in unterschiedliche kulturelle und geografische Kontexte aufzuzeigen.

Das Seminar gliedert sich in drei Schwerpunkte: Zunächst werden die motivische und formale Vielfalt nordischer Malerei anhand ausgewählter Künstler:innen beleuchtet und ihr Dialog mit zentraleuropäischen Avantgarden untersucht. Anschließend richtet sich der Fokus auf die geografischen Peripherien des Nordens, wobei aktuelle Ansätze der postkolonialen Theorie Sensibilität für Alteritäten, Exotismen und Zuschreibungsmechanismen fördern. Abschließend wird betrachtet, wie das Erbe der Moderne bis in die Gegenwartskunst hineinwirkt und neue Perspektiven eröffnet.

Die Arbeitsgruppe regt an, tradierte kunsthistorische Narrative zu hinterfragen und einen differenzierten Blick auf die Kunstgeschichten Nordeuropas zu entwickeln – mit all ihren Brüchen und Vielschichtigkeiten.

Co-Leitung

Katharina Alsen (Hochschule für Musik und Theater Hamburg)
Alexandra Herlitz (Universität Göteborg)

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