
Sustainable Theatre
Spring School 2025
Blended Intensive Programme (DAAD)
Theaterakademie der HfMT Hamburg
Alexandria-Nova-Netzwerk
24. Februar bis 7. März 2025
24.–28. Februar 2025: Online-Lessons
2.–7. März 2025: Praxis-Workshops
»Sustainable Theatre« brings together directing students from across Europe to explore the interconnections between ecological, social, and artistic sustainability. Through hands-on workshops, theoretical input, critical discussions, and collaborative projects, participants are invited to develop innovative theatre practices inspired by atmospheric and weather-related metaphors, bridging the abstract and the tangible.
Atmosphären des Wandels: Theater als nachhaltige Praxis
Timothy Morton, Philosoph* und Umweltdenker*, beschreibt »Hyperobjekte« als Phänomene, die sich unserer Vorstellungskraft entziehen, weil sie zu gewaltig, zu vernetzt, zu allgegenwärtig sind. Der Klimawandel ist ein solches Hyperobjekt: Wir spüren seine Auswirkungen überall, aber wir können ihn nicht als Ganzes begreifen. Wie also kann Theater eine solche unsichtbare Bedrohung sichtbar machen? Wie kann es nicht nur über Nachhaltigkeit sprechen, sondern selbst Teil eines nachhaltigen Wandels sein?
Diese Fragen stehen im Zentrum der Spring School an der Theaterakademie Hamburg. Studierende aus ganz Europa kommen für zwei Wochen zusammen, um zu erforschen, wie sich die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit – ökologisch, sozial und ökonomisch – mit künstlerischer Praxis verknüpfen lassen. Atmosphären und Wetterphänomene liefern Denkansätze für ein Theater, das nicht nur reagiert, sondern aktiv andere mögliche Formen des Denkens und Handelns erprobt.
Theorie trifft auf künstlerische Praxis
Der erste Teil des Programms ist der theoretischen Annäherung an das Thema gewidmet. In Diskussionen über posthumanistische Philosophie und ökologische Unheimlichkeit zeigt sich, wie tief die Klimakrise in unser Denken eingreift. Mortons Idee der Hyperobjekte markiert einen Punkt, an dem herkömmliche Narrative brüchig werden. Kann Theater mit seinen Mitteln eine Bedrohung erfahrbar machen, die sich weder auf einen Punkt konzentrieren noch in eine lineare Dramaturgie zwängen lässt?
Der zweite Teil der Spring School widmet sich der praktischen Erprobung der zuvor entwickelten theoretischen Perspektiven. Hochschulräume werden zu Laboren, in denen mit Materialien experimentiert wird, die ebenso vergänglich sind wie die performativen Momente, die sie erzeugen. Bioplastik aus Gelatine und Kartoffelstärke, Draht, Seile – diese Stoffe erweitern gängige Vorstellungen von Bühnenmaterialien und führen zu der Frage: Wie kann sich Nachhaltigkeit auch in der Materialität des Theaters ausdrücken?
Ein Labor für nachhaltiges Theater
Die Studierenden entwickeln performative Installationen, erproben musikalische und textbasierte Elemente, testen verschiedene Arbeitsweisen. Im Fokus steht nicht die fertige Inszenierung, sondern der Prozess: ein bewusstes Hinterfragen von Produktionsweisen, ein Erkunden von kollektiven künstlerischen Strategien, die sich von klassischen Hierarchien lösen. Was passiert, wenn Theater nicht mehr nur das Drama der Katastrophe abbildet, sondern selbst ein Modell für nachhaltige Zukunftsvisionen wird?
Die Ergebnisse lassen hoffen: Theater kann mehr sein als ein Spiegel der Gegenwart, auch wenn die Produktionsweisen in der Regel mit einem erheblichen Ressourcenverbrauch verbunden sind. Es kann ein Raum sein, in dem veränderte Möglichkeiten zwar ergebnisoffen, aber mit der nötigen Dringlichkeit erprobt werden. Atmosphären des Wandels entstehen dabei nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Strukturen, die Theater schafft. Und genau hier beginnt nachhaltige Praxis.
Online-Lessons
I. Enlightenment 4.0
II. Hyperobjects
III. The Theatre of Catastrophe
IV. Magic Mushrooms
V. The Palliative Turn
Literatur
Rosi Braidotti (2013): The Posthuman, Cambridge & Malden; Donna Haraway (2015): »Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin«, in: Environmental Humanities; Frederike Middelhoff & Arnika Peselmann (2023): »The Stories Plants Tell. An Introduction to Vegetal Narrative Cultures«, in: Narrative Culture; Timothy Morton (2016): Dark Ecology. For a Logic of Future Coexistence; ders.* (2013): Hyperobjects. Philosophy and Ecology after the End of the World, Minneapolis & London; Juliane Rebentisch (2024): »Das ökologisch Unheimliche«, in: Berlin Review; Anna Tsing et al. (Hg.) (2017): Arts of Living on a Damaged Planet, Minneapolis & London; Anna Tsing (2015): The Mushroom at the End of the World. On the Possibility of Life in Capitalist Ruins, Princeton & Oxford; Joseph Vogl (2025): Meteor. Versuch über das Schwebende, München; David Wallace-Wells (2019): The Uninhabitable Earth. Life After Warming, New York; Kathryn Yusoff (2018): A Million Black Anthropocenes or None, Minneapolis.
Konzept und Lehre
Katharina Alsen, Benjamin Sprick und Margo Zālīte
Organisation
Katharina Alsen, Sabina Dhein, Benjamin Sprick und Margo Zālīte
Funding
Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Blended Intensive Programme (BIP)
Kooperation
Alexandria Nova Network of North European Directing Programmes
Ligeti Zentrum Hamburg | Sustainable Theater Lab
Kampnagel Hamburg
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Schauspielhaus Hamburg
Thalia Theater Hamburg